Vorurteile gegen das Tragen


  • Kriegt das Kind bei Ihnen genug Luft?/Das Kind erstickt doch!

Die Sorge vieler, ein Kind könne ersticken ist prinzipiell valide und stets ernst zu nehmen. Natürlich können Kinder ersticken. Jedoch ersticken Sie nicht beim Tragen im Baumwolltragetuch oder der Komforttragehilfe. Eine Studie von Kindern im Tuch im Vergleich zu nicht getragenen Kindern ergab, dass die Sauerstoffzufuhr bei den Tragekindern gerade einmal 1% geringer ausfällt. Dies wird auf die entspanntere Gesamtkonstitution zurückgeführt.

  • Das Kind wird verzogen/verwöhnt!

Kleinste Kinder sind instinktgesteuerte Lebewesen, die auf Selbsterhalt durch Aufmerksamkeitserregung und Hilfe durch andere angewiesen sind. Diese kleinsten Menschen brauchen, wie wir durch furchtbarste Versuche aus der Vergangenheit wissen, nicht nur Nahrung, Flüssigkeit und Sauerstoff, Licht sondern auch Körperwärme, Berührung, Nähe, sonst verkümmern sie und sterben schlimmstenfalls. Die Befriedigung des kindlich natürlichen und instinktiven Bedürfnisses nach Nähe zu den Eltern ist nicht als Verziehen, sondern als Erkennen, Akzeptieren und angemessen Beantworten einzuordnen.

  • Das Kind lernt so nicht laufen!

Das Laufen ist keine Sache der Übung sondern eine Frage des Reifezeitpunktes. In dem Moment, in dem das Kind so weit ist, kann es theoretisch aus der Tragehilfe aussteigen und losflitzen. Das Kind lernt übrigens eine ganze Menge in der Tragehilfe. Besonders der Gleichgewichtssinn, der Tastsinn, der Muskelstellungssinn werden hervorragend geschult.

  • Diese gespreizte Haltung kann dem  Kind doch nicht gut tun!

Ganz im Gegenteil: ein korrekt in Anhock-Spreiz-Stellung positioniertes, im Rücken gut gestütztes Kind, sollte von Kniekehle zu Kniekehle 19-31 cm unterstützenden Steg haben. (Es gibt namhafte weltweit vertriebene Tragehilfen, die trotz allem nur 11 cm breit sind).

  • Das muss doch nicht sein, die Mutter schädigt doch Ihren Rücken und schleppt sich krumm.

Eine Trageperson, die das Kind in optimaler Trageposition korrekt von vorneherein trägt, schädigt nicht ihren Rücken, sondern baut Muskulatur auf. Mit steigendem Alter des Babys, steigt das Tragegewicht. Nichts anderes geschieht im Fitnessstudio! Tragen ist also Training für den Träger!

  • Ja sind wir denn hier in Afrika/im Busch?

NEIN, wir sind in Europa. Aber – ohne einen ganzen Kontinent zu adeln oder Naturvölker zu verniedlichen –  es ist nichts Falsches dabei, sein Kind auf natürliche Art und Weise zu befördern. Zeigt es doch vielmehr die Bandbreite, wie viele Trageweisen es gibt.
Und während man aus diesen Bemerkungen heraushört, dass der Sprecher soziale Angst, etwa vor Erniedrigung durch Tragen (Lasttier/Packesel) hat, kann man genauso heraushören, dass in essentiell überlebenswichtigen Situationen, in denen die Hände frei sein mussten, die Kinder ganz selbstverständlich an den Körper gebunden und dort sicher verwahrt wurden.

  • Tragen ist was für Ökos.

Das war vielleicht  in den 80ern so. Heute tragen viele gut informierte Eltern in den sogenannten Erste-Welt-Ländern ihre Kinder in unterschiedlichsten Tragehilfen. Wieder. Denn aus der Mode gekommen war das seit Jahrtausenden natürliche Tragen erst mit der Massenproduktion des Kinderwagens einerseits und der durch die Nazis propagierten Vorstellung von Erziehung.